Interview: Wolfgang Strasser

Flagge_deutsch Wolfgang Strasser begann mit 38 Jahren die Airjibe zu üben – dieses Jahr wird er 47 – und praktisch genausoviele Manöver springt er mittlerweile auch. Genug hat er aber noch lange nicht und dass „Woife“ überhaupt noch mit einem Surfbrett geradeaus fahren kann ist auch nicht selbstverständlich, denn das Schicksal meinte es nicht immer gut mit dem sympatischen Freestyler vom Chiemsee. Editor Tobias Lamprecht hat sich mit Wolfgang zum Gespräch über sein turbulentes Leben, Freestylespots in ganz Europa, seine neuen Sponsoren und Träume für die Zukunft getroffen.

Flag_EnglishWolfgang Strasser started to train the Airjibe when he was 38 years old – this year he’ll celebrate his 47th birthday and is able to land loads of sliding and powermoves – and still hasn’t enough. That’s not to be taken for granted – his past hasn’t been easy. „Woife“ wasn’t able to walk for several years and had to undergo about 20 surgeries. Editor Tobias Lamprecht had the chance to meet „Woife“ for an interview to talk about his „life in the rollercoaster“, freestylespots all over europe, his new sponsors and dreams for the future.

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Weihnachtssurfen 006

Flagge_deutsch „Woife“, vielen Dank für deine Zeit und das Interview. Du bist ein „Spätstarter“ im Freestyle – wie lange wirbelst du schon durch die Luft und wie „alt“ bist du jetzt?

Wolfgang: „So 2005/06 habe ich mit Freestylen angefangen,mit der Airjibe, „eh klar“, da war ich immerhin schon 38 Jahre, und dieses Jahr werde ich 47.“

Du standest nicht immer auf der Sonnenseite des Lebens und eigentlich könnte deine Lebensgeschichte ein ganzes Buch füllen. Hast du eine Kurzfassung für unsere Leser?

Wolfgang: „Mit 12-14 Jahren hatte ich Lymphknoten Tbc und im direkten Anschluss daran im Sprunggelenk einen Knochentumor. Ich verbrachte fast ein Jahr in München im Krankenhaus. Die erste Zeit wusste niemand so genau was ich hatte, meine Großzehen waren offen und alles war vereitert. Ich saß im Rollstuhl und musste 26 Operationen über mich ergehen lassen, es war auch mal die Rede mein Bein abzunehmen „Gott sei Dank nicht“.

Dann im Jahr 2000 der erneute Rückschlag mit meinem Sprunggelenk, es wurde mir „19 mal künstlich gebrochen“. Nun begann wieder eine schlimme, schmerzhafte Zeit für mich. Seit damals habe ich fast täglich Probleme mit meinem Gelenk und im Winter wenn es kalt ist habe ich noch mehr Schmerzen und Entzündungen im Körper. Des Weiteren habe ich jetzt auch im Knie-, Hüft- und Rückenknochen Probleme und dadurch eine fast taube linke Hand und linkes Bein.

Doch das Windsurfen gibt mir die Kraft all meine Probleme zu verdrängen, und wenn ich auf das Wasser gehe ist nach 5 Minuten mein Körper unter Dampf und ich nehme die Schmerzen gar nicht so wahr!“

Chiemsee 039

Du warst die letzten Jahre viel mit deinem Bus unterwegs und hast, besonders im Mittelmeer Raum, viele Spots mehr oder weniger „entdeckt“ – erzähl doch mal wo du die letzten Jahre überall warst. ?

Wolfgang:Von 2006 bis 2010 verbrachte ich mit meiner Familie fast alle Ferien auf Sizilien – diese Insel hat echt Windsurfpotenzial und ist immer eine Reise wert! Auch Sardinien kenne ich in- und auswendig und es gibt viel mehr als nur Porto Pollo im Norden, dh. für jede Windrichtung einen Topspot. Wenn es über das ganze Jahr betrachtet wird ist sicher Sa Barra, der Spot von Gigi Madeddu bei Isola Sant Antioco im Südwesten der beste Platz zum Freestylen. Dort habe ich in den letzten 3 Jahren viel Zeit verbracht. Des Weiteren surfe ich viel an den Boraspots in Norditalien und Kroatien und verbringe viele Surftage am Lago Santa Croce in der Nähe von Belluno.“

Wenn du zuhause in Bayern bist, bist du auch viele Kilometer auf der Straße unterwegs und an diversen Spots zu finden. Wie lange beschäftigst du dich täglich mit „Wind & Wetter“?

Wolfgang:Viel zu lange, ich denke 1 Stunde, manchmal auch mehr. Wir haben halt hier in Bayern thermische Winde und bei einer gewissen Wetterlage, zB. Föhn/Nebel, könnten mehrere Seen gehen, und dann muss man Wetterwerte und Cams öfters checken und dann kommt auch noch Glück dazu, wobei vieles auch einfach Erfahrung ist. Meine Spots sind ja alle im Umkreis von ca. 125 km, nur der Chiemsee ist vor meiner Haustüre, 500 m Luftlinie entfernt, aber der hat 20 Tage Wind im Jahr und das fast immer im Winter.“

Wenn wirklich mal überhaupt kein Wind in Sicht ist, was machst du zum Ausgleich neben dem Windsurfen?

Wolfgang:Ich fahre im Jahr ca 5000 Km mit dem MTB und im Winter ca 500km mit Skilanglauf“

Seit Anfang des Jahres bist du mit WARK Boards und Sailloft Hamburg Segeln unterwegs?

Wolfgang: „Ich bin überzeugt dass Sailloft Hamburg eine Firma mit Zukunft ist. Die Inhaber Gerrit und Olaf sehen Windsurfen nicht nur als Ware sondern als Leidenschaft. Das Quad und Quad+ sind genauso wie ich mir ein Segel vorstelle, ein Top-Allrounder (s.a. der sehr gute Test in der Surf 1-2-2014). Ab Frühjahr sind die Sailloft Segel bei meinem LocalSurfshop Windsurfing-Chiemsee.com Sport Mayer in Chieming erhältlich.

Sailloft legt großen Wert auf ein Feedback von allen Teamfahrern und ist bemüht den Windsurfsport auch etwas zurück zu geben.Ich freue mich dass ich als Fahrer im Sailloft Team sein darf.“

Außerdem bist du auf WARK Boards vom Bodensee unterwegs. Inwiefern unterscheidet sich dein neues Custom Board von einem Serienbrett?

Wolfgang:Der Wark Freestyler 99 ltr. (das Board ist auch in der Surf getestet worden) ist mit 5kg sehr leicht, aber an den Stellen wo wir das Board extrem belasten, sinnvoll verstärkt, dh. es ist haltbarer bei weniger Gewicht! Dann sind die Fußschlaufen alle doppelt verschraubt, also kein Verdrehen mehr (sollte bei allen Boards Standard sein), und ich habe eine stabile Powerbox ( ich persönlich halte von einer Slotbox in einem Freestyler gar nichts). Wie bei allen Customs kannst du auch deine persönliche Vorliebe in das Board einbringen.“

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Wo zieht es dich im Jahr 2014 windsurftechnisch hin?

Wolfgang: Ich werde vom 1.3-26.4.14 Sardinien unsicher machen und danach wieder bei den German Freestyle Battles teilnehmen. In den Pfingstferien geht es, je nach Wind, nach Rügen oder Kroatien, Peljesac. Vom 15.7-15.9 in die Türkei nach Datca – ein „Traum Freestylespot“. Ansonsten natürlich im Umkreis vom Chiemsee – wo immer es Wind gibt.

Dein Lieblingsspot?

Wolfgang: „Hauptsache Wind und Spass……“

Welcher Spot wird in der Windsurfszene am Meisten überschätzt und hast du persönlich auch Spots unterschätzt?

Wolfgang: „Das kommt darauf an was man möchte! Ich finde z.B den Gardasee mehr wie schrecklich, dh. mehr Deutschland wie Italien, zu teuer und meist miserable Windsurfbedingungen. Meine Familie und Ich bevorzugen weniger Leute und Spots, die nicht so überlaufen sind und da gibt es noch viele in Europa! Ich habe immer die norddeutschen Spots unterschätzt (wegen den Temperaturen), aber ich war letztes Jahr 3 mal zum Surfen in Fehmarn und Rügen und bin begeistert.“

Was würdest du am Windsurfen gerne ändern?

Wolgang: Das würde jetzt zu lange dauern, aber es kann so nicht weitergehen. Windsurfen ist mittlerweile eigentlich nur noch für Leute die viel Geld verdienen. Jeder Surfer, egal ob Pro oder Freizeitsurfer, sollte seinen Sport weitergeben! Und das Windsurfen gehört in die Schule und in Sportvereine mit Wasseranbindung. Unsere Surfbrands sollten mehr in das Jugendsurfen und den Sport stecken, bevor er STIRBT. Ich persönlich finde die Jugendcamps von Vincent Langer oder das Young Gun Camp von JP sehr gut, da stellt sich die Frage: Warum machen das nicht alle Surffirmen?

Auch in Sachen „Sponsoring“: Angenommen du bist ein guter Nachwuchsfahrer oder bereits Teamfahrer und erhälst bei Firma X ein „Sponsoring“: Bei den „EK – x% Deals“ bezahlen fast alle für ein Board 1000,- bis 1200,- und ein Segel 250,- bis 350,- was müssen da die Eltern alleine für das Material pro Saison bezahlen, und dann noch die Fahrten zum Spot – das ist der Wahnsinn. Wieviele Fahrer gibt es im Worldcup oder der EFPT mit Eltern ohne Geld? Fast niemand -„somit hat ein guter Jugendlicher ohne wohlhabenden Eltern fast keine Chance nach oben zu kommen – das kann doch nicht sein!

An egal welchem Spot du bist – viele Leute kennen dich. Ganz ohne Website und Facebook. „Social Media“ brauchst du nicht?

Wolfgang:Ich kann mit Stolz sagen dass egal wo ich bin, die Surfer vor Ort mich als „Local“ ansehen. Ist doch ganz einfach: grüssen, freundlich und immer hilfsbereit sein, da tun sich halt viele schwer damit, besonders im Ausland. Wenn ich dann viele Deutsche im Ausland sehe wie sie am Spot, in erster Reihe mit fetten Auto parken, nicht grüssen, was möchte man dann von einem Local Windsurfer erwarten? Wir sind auch nie in der Gruppe unterwegs und somit ergibt sich sehr schnell Kontakt zu den Einheimischen.Leute lernt man auf der Straße,Strand und in der Kneipe usw kennen aber doch nicht über Facebook – aber jeder wie er möchte.

Dein Lebenstraum?

Wolfgang: „An erster Stelle Gesundheit (in meinem Fall, nicht noch stärkere Probleme mit den Knochen) für meine Familie, und dass ich wieder mit meiner Frau ( die auch eine begeisterte Windsurferin ist) ganz schlicht und einfach, ohne grossen Schnick-Schnack am Meer leben kann. An dieser Stelle möchte ich meiner Frau Carola sehr danken, dass Sie ihre Liebe zum Windsurfen und Reisen mit mir teilt und immer 100% hinter mir steht. „Vielen Dank Carola“

Ich möchte auch Max Mayer und Klaus Kolb von Windsurfing-Chiemsee.com Sport Mayer, MUFins, Gerrit und Olaf von Sailloft und Andi Widmann Warkboards danken, dass diese auch einen Fahrer, der keinen Worldcup fährt, unterstützen.

Auch dir Tobi,da Du auch ein Windsurfverrückter bist und Windsurfen lebst!“

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